Die HistorieWann ist FDPD entstanden?
Tja, die erste und grundsätzliche Idee stammt aus der
grauen Vorzeit des letzten Jahrtausends, aus dem letzten
Jahr vor Orwells Horrorszenario, aus dem Jahr 1983.
Ausgestattet mit den Grundlagen der Basic-Programmierung,
einem unverstandenen Heft über die Struktur von Dramen,
einem Zitatenwortschatz und mit Zugang zu einem leistungsfähigen
Rechner (Ein Commodore 8032, mit 32000 byte Speicher +2000 weitere
für den 2000 Zeichen fassenen 80x25 Zeichen Bildschirm, das
ganze mit opulentem 1 MHz Taktfrequenz und Datensicherung anfangs
auf Kasettenrecorder mit 250 byte/sekunde), gab es nur ein
Programm, daá ich schreiben konnte: FDPD.
Die Idee war damals, in Textgruppen zufällig Bestandteile
aus anderen Gruppen zu ersetzten und das zur Not auch rekursiv.
Erst einige Jahre später lernte ich in meinem Studiennebenfach,
daá FDPD grundsätzlich zufällig Produktionen einer
kontextfreien Grammatik erzeugte.
Tatsächlich sind die Dramen nicht vollends Kontextfrei,
wichtige Herausforderungen waren, daß Personen nur
sprechen, wenn sie auf der Bühne stehen, sich nur küssen,
wenn sie beide auf der Bühne sind und auch nie mehr auftreten,
wenn sie dann mal umgebracht wurden. Vor allem letzteres kann man
natürlich diskutieren, aber bei uns gab es keine Geister.
Wozu diente FDPD?
Wozu das ganze diente? Wie alle gute Ideen sollte es vor allen
Dingen Spaß machen. Die Möglichkeit, beim Start des
Programmes Darstellerlisten einzugeben, war da sehr hilfreich.
Da konnte man seine Klassenkameraden reintippen und hoffen, das
die, die man lieber mochte, doch die erstachen, die man nicht
so gerne mochte. Man konnte seinen besten Freund zusammen mit
Ronald Reagan (damaliger US Präsident) und Mahatma Gandhi
gepflegten Nonens sagen lassen usw.
Bessere Ideen? Hier ist eine gute Stelle,
vielleicht selber mal ein Drama zu erzeugen.
Natürlich steckt hinter so einem Programm wie FDPD
auch eine gewisse Dosis Zynismus. Ging es doch darum, einen
Automaten zu erzeugen, der wirklich Kunst produzieren sollte.
Ging es doch darum, Leute damit zu quälen, daß sie
ihr Hirn marterten, Zusammenhänge in diesen zufälligen
Wortwästen zu entdecken.
Letztlich war auch
Stanislav Lem's Robotermärchen nachzuprüfen, in der
eine Maschine am Ende perfekte Gedichte schrieb, was dazu führte,
daß sich alle wirklich guten Poeten umbrachten, da sie
die Überlegenheit des Automaten erkannten, übrig blieben
nur die mittelmäßigen und schlechten Dichter, die
sowieso keinen Sinn für echte Qualität hatten...
Der Untergang
Auf Dauer wurde die Weiterentwicklung von Speicherproblemen
ziemlich eingeschränkt: Um neue Texte in das System
zu quetschen, mußte man immer erst ein paar Leerstellen
aus seinem Programmcode löschen. So stellte sich irgendwann
ein natürliches Gleichgewicht ein, durch ein immer unlesbareres
Programm und immer kompliziertere Daten. Die Daten wurden dadurch
noch besonders kryptisch, daß Querverweise nur durch
zweiziffrige Zahlen möglich waren.
Beim neuen FDPD sind das jetzt richtige Namen, aber
beim wiedereintippen der alten Originaldaten haben noch viele
der alten Nummern überlebt, wie
man hier sehen kann.
Damals wurde noch ein zweiter Anlauf genommen, für ein
Programm, das (für mich als Banausen)
recht überzeugend Gedichte eines Herren
namens Wicht, dem zu begegnen ich nie die Ehre hatte,
immitierte. Der Künstler selber ermahnte damals das
Programm noch, das Wort Ratten seltener zu gebrauchen,
und gab noch weitere Tips. Auch dieser Anlauf verlief im
Sand, leider sind die Sourcen und Daten verschollen...
Die Wiedergeburt
Diese Versuche endeten vielleicht im Jahr 1985. Von da mußte
es noch 16 weitere Jahre dauern, bis mir beim Studium von
XML und seinen zahlreichen Werkzeugen irgendwann
ein kleines Einarbeitungsprojekt schien, FDPD wieder zum
Leben zu erwecken.
Nach zwei Wochenenden stand das Gerüst, daß im
Moment nurmehr langsam weiterenwickelt wird. Die Basis des
neuen FDPD ist eine eigene XML-basierte Sprache, die dazu
geeignet ist Dramengeneratoren, Horoskopgeneratoren, elektronische
Dichter und anderes zu entwicklen. Es gibt natürlich noch
viele Erweiterungsmöglichkeiten und der Code hätter
auch schon sein erstes Refactoring nötig, aber das
kann ja alles noch passieren.
Was gibt es noch zu fragen?- Ob FDPD noch zeitgemäá ist.
- Ob durch Einsatz der neueren Technik nicht bessere Ergebnisse erzielt werden können.
- Ob die Technik, auf der der neue FDPD basiert, in 16 Jahren wieder
verschunden sein wird.
- Ob sich irgendwer dafür interessiert.
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